
Das Gelände von Westerbergen ist besonders interessant. Einerseits hat es seine heutige Form bereits vor langer Zeit erhalten, andererseits haben die aufeinanderfolgenden Bewohner über einen Zeitraum von Tausenden von Jahren Spuren hinterlassen, aus denen sich heute Rückschlüsse auf ihr Tun und Lassen ziehen lassen.
Die älteste Geschichte reicht bis zur vorletzten Eiszeit zurück. Geologen, also Wissenschaftler, die sich unter anderem mit der Entstehung der Erde und den Veränderungen befassen, die im Laufe der Zeit daran stattgefunden haben, sind zu dem Schluss gekommen, dass sich in der sehr fernen Vergangenheit Perioden großer Kälte mit Perioden höherer Temperaturen abgewechselt haben. Diese Perioden erstreckten sich nicht über einige Jahre, sondern über Zeiträume von vielen Zehntausenden von Jahren. Die vorletzte Eiszeit muss dann vor etwa 200.000 Jahren begonnen haben und nicht weniger als 80.000 Jahre gedauert haben. Alles, was Wasser war, gefror, und die Eiskappe, die noch heute den Nordpol bedeckt, wurde immer größer. Dies geschah in Form von Eisströmen, sogenannten Gletschern, wie wir sie heute noch unter anderem im Alpenraum kennen. Diese Gletscher flossen sehr langsam nach Süden, vorbei an Norwegen, Schweden und dem Ostseeraum. Sie schürften dabei Felsen ab und brachen größere und kleinere Brocken von diesen Felsen ab, welche mit dem Eis so nach Süden transportiert wurden. Viele dieser Gletscherströme schoben sich weiter vor, und so gelangte auch eine große Anzahl davon nach Drenthe. Man nimmt an, dass damals ganz Drenthe bis zur Overijsselse Vecht unter Eis lag, und zwar unter einer Schicht von vielleicht sogar vierzig Metern Höhe. Diese Steinbrocken wurden beim Vorrücken der Gletscher immer wieder umgedreht, sodass die scharfen Kanten abgeschliffen wurden und viele Steine vom Eis sogar vollständig zu Schutt zermahlen wurden. Zudem wurde viel Sand mitgeführt. Die mitgeführten Steine haben daher fast immer eine glatte Oberfläche und sind an allen Seiten abgerundet.

Nach dieser Eiszeit folgte eine wärmere Periode, in der das gesamte Eis schmolz. Die Steine und der fein gemahlene Schutt blieben jedoch auf dem Boden liegen. Kommen wir nun zurück nach Westerbergen: Die vielen großen und kleinen Steine, die überall auf dem Gelände zu finden sind, gelangten in dieser vorletzten Eiszeit hierher. So besteht beispielsweise die kleine Mauer, die die Terrasse des Hauptgebäudes umgibt, aus solchen Steinen. Die kleineren Steine, die man in Drenthe „Finten“ nennt, wurden früher vor allem zur Befestigung von Straßen verwendet; aus den großen Steinen wurden die Hünengräber errichtet, über die später noch mehr erzählt wird.
Die Gletscher haben auf Westerbergen jedoch noch weitere Spuren hinterlassen. Es ist offensichtlich, dass sie auf dem Gelände und in der Umgebung ziemlichen Schaden angerichtet haben. Zusammen mit den Steinen haben die Gletscher, wie bereits erwähnt, auch den fein gemahlenen Schutt mitgenommen. Dieser hat sich überall im Boden als sogenannter Keilschlamm abgelagert. Diese Keilschlammschichten sind oft nicht wasserdurchlässig. Sie durchziehen auf höchst bemerkenswerte Weise andere Bodenschichten, was ein Beweis dafür ist, dass es in jener Eiszeit auf Westerbergen alles andere als ruhig zuging. Vor allem beim Bau des Hauptgebäudes, als im Zusammenhang mit der Errichtung der Fundamente ziemlich tief gegraben werden musste, zeigte sich deutlich, wie eigenartig die verschiedenen Bodenschichten durcheinanderliegen.
Es gibt jedoch noch weitere Hinweise. Zwischen den Bungalows 107 bis 111 und 115 bis 121 liegt ein Teich. Durch die vielen Bäume und Sträucher, die ihn umgeben, ist er nach und nach kaum noch sichtbar, und außerdem ist der Teich fast vollständig zugewachsen, aber es gibt noch Stellen, an denen Wasser steht. Direkt neben diesem Teich, zwischen den Bungalows 111 bis 115, befindet sich eine tiefe Mulde, deren Boden tiefer liegt als die Wasseroberfläche des Teiches. Selbst in der nassesten Zeit des Jahres steht in dieser Mulde nie Wasser. Der Teich muss also in einer Art Lehmgrube liegen, wodurch das Wasser nicht in die daneben liegende Mulde gelangen kann, während unter dieser letzten Mulde offenbar kein Lehm vorhanden ist, da das einfließende Regenwasser sofort versickert. Die Gletscher müssen hier also ordentlich gewütet haben! Ein
weiteres Überbleibsel aus der vorletzten Eiszeit ist einige Kilometer von Westerbergen entfernt zu sehen, und zwar in den Wäldern auf der anderen Seite der Bahnstrecke Meppel – Hoogeveen. Hier liegt noch eine sogenannte Endmoräne, das sind kleine Erdhügel, die von den Gletschern bis zu der Stelle aufgeschoben wurden, an der der Gletscher zum Stillstand kam und schmolz. Wie bereits erwähnt, folgte auf diese Eiszeit eine Periode mit höheren Temperaturen. Es entstand Pflanzenwuchs und es entstanden Wälder. Außerdem kamen Tiere hinzu. Ob es damals bereits Menschen in Westerbergen gab, ist nicht bekannt. Unmöglich ist es jedoch sicherlich nicht. Denn in weniger als 20 km Entfernung von Westerbergen wurden Äxte und andere Werkzeuge aus Feuerstein gefunden. Archäologen zufolge gehörten diese Gegenstände Menschen, die auf Rentiere, Mammuts und andere Tiere jagten. Sie lebten vielleicht vor 50.000 Jahren. Die Gegenstände sind die ältesten Werkzeuge, die bisher in den Niederlanden gefunden wurden. Eine große Anzahl dieser Gegenstände ist im Provinzmuseum in Assen zu sehen.
Nach der Warmzeit folgte erneut eine Eiszeit. Diese scheint vor etwa 70.000 Jahren begonnen zu haben und dauerte 60.000 Jahre. Die Bewohner, die die Feuersteinäxte hinterlassen haben, lebten also in einer kalten Periode, doch auch in der Eiszeit gab es Phasen mit mehr oder weniger Kälte. Nach Ansicht der Archäologen ist es jedoch auch möglich, dass diese Menschen bereits früher gelebt haben, und zwar in der Warmzeit zwischen den beiden Eiszeiten. Auf jeden Fall scheinen sie vor dem Ende der letzten Eiszeit gelebt zu haben.

Die letzte Eiszeit hat in Drenthe nicht so verheerende Spuren hinterlassen wie die vorletzte. Die Eiskappe der Arktis hat sich zwar wieder mit Gletschern nach Süden ausgebreitet, Drenthe jedoch nicht erreicht. Infolge der großen Kälte verschwanden viele Pflanzen und Tiere, viel Sand wurde freigelegt und durch Stürme wurde der Sand verlagert und bildete eine Deckschicht über Bodenschichten, die in der vorletzten Eiszeit und danach entstanden waren. In dieser Zeit hat der Boden von Westerbergen im Großen und Ganzen seine heutige Form erhalten. Auch diese Eiszeit hat noch zahlreiche Spuren hinterlassen. Infolge der großen Kälte war der Boden bis in eine Tiefe von mehreren Dutzend Metern gefroren. Als es allmählich wieder etwas wärmer wurde, taute die oberste Schicht in den Sommermonaten auf, gefror aber in den Wintermonaten wieder. Zwischen diesen beiden Schichten konnte sich manchmal noch eine Wasserschicht befinden, die unter so hohen Druck geriet, dass gewissermaßen eine Eiskuppel entstand, die bei zu hohem Druck wie eine Art Schlammvulkan aufbrach. Es entstand eine Mulde im Boden, umgeben von einem kleinen Erdwall. Die Mulde füllte sich anschließend mit Wasser. Auf diese Weise sind viele kleine Teiche entstanden, und ein deutliches Beispiel dafür ist der Planschteich auf dem Campingplatz. Rund um den Teich sind an verschiedenen Stellen noch Reste des Erdwalls sichtbar. Diese Art von Ausbrüchen scheint auch heute noch in den kalten Gebieten Grönlands vorzukommen, wo die dort lebenden Eskimos diese kleinen Seen „Pingos“ nennen. Dieser Name wurde für die kleinen Moorseen in Drenthe übernommen, die auf die gleiche Weise entstanden sind; sie heißen hier „Pingo-Moore“.
Nicht immer hat sich die Mulde mit Wasser gefüllt. Befindet sich kein Wasser darin, nennt man sie Gletschermulden. Ein sehr schönes Exemplar liegt auf der Heide nördlich von Westerbergen, und zwar auf der Nordseite des blauen Wanderwegs.
Auch durch andere Ursachen sind in der letzten Eiszeit Mulden im Boden entstanden, die sich später mit Wasser füllten und zu kleinen Mooren wurden. Neben dem Pingo-Moor sind auf Westerbergen in dieser Zeit noch etwa vier weitere Moore entstanden. Das Moor, das zwischen den Bungalows liegt, wurde bereits erwähnt. Es gibt noch ein großes Moor mitten im Waldgebiet und direkt südlich davon ein kleineres. Die rote und die gelbe Wanderroute führen zwischen diesen beiden Mooren hindurch. Das vierte Moor liegt an der Ostseite des Geländes, wobei die eine Hälfte auf Westerbergen und die andere Hälfte auf dem angrenzenden Gelände liegt. Der gelbe Wanderweg führt um die Hälfte des Moores herum.
Als es am Ende der letzten Eiszeit immer wärmer wurde, entstand wieder eine Vegetation und vor allem Wald. Durch verschiedene Ursachen stieg der Grundwasserspiegel an. Die bereits erwähnten Mulden füllten sich mit Wasser, in dem die Bäume und viele Pflanzen sozusagen ertranken. Sie wurden nur zur Hälfte verwest, und über Jahrhunderte hinweg sammelten sich neue Pflanzengenerationen an, sodass ein Moor entstand.
Das Moor spielte in Drenthe bis ins 20. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Ausgegraben, getrocknet und in Blöcke geschnitten entstanden die Torfstücke. Es war eine wichtige Lebensgrundlage, als Torf überall als Brennstoff verwendet wurde. Dies ist nun praktisch vorbei, in erster Linie, weil es fast kein noch nicht abgebautes Moor mehr gibt, vor allem aber, weil der Torf durch bessere Brennstoffe wie Steinkohle und in den letzten Jahrzehnten durch Öl und Erdgas ersetzt wurde. Eine kleine Renaissance erlebte der Torf während der Kriegsjahre 1940–1945, als kein anderer Brennstoff erhältlich war.
Auch die Moore von Westerbergen haben sich im Laufe vieler Jahrhunderte mit Torf gefüllt, und dieser Torf wurde hier und da abgebaut. Sehr deutlich ist dies an dem großen und dem kleinen Moor im Wald zu sehen.
Überall sieht man mehr oder weniger rechteckige Wasserflächen, an denen offenbar Torf abgebaut wurde. Auch in dem Moor, das zwischen den Bungalows liegt, sind die Spuren des abgebauten Torfs noch deutlich sichtbar. Das Recht, ein kleines Moor abzubauen, wurde vom Eigentümer oft an einen Interessenten vergeben. Dieser Brauch hat sich bis ins 20. Jahrhundert fortgesetzt. So gab es zu Beginn dieses Jahrhunderts in Echten einen Gastwirt namens Roelof Muller, der das Recht hatte, den Teich zwischen den Bungalows auszuheben. Nach den Berechtigten erhielten viele Teiche einen Namen. So hieß der kleine Teich zwischen den Bungalows „Plasje van Roelof Muller“. Auch an der Spitze der nicht zu Westerbergen gehörenden Weide, dort, wo der blaue Wanderweg eine scharfe Rechtskurve macht, befand sich ursprünglich ein kleiner Teich. Er ist heute fast vollständig zugewachsen, aber die Stelle ist an dem dort wachsenden Buntgras zu erkennen. Bei hohem Grundwasserstand stehen Teile unter Wasser. Dieser kleine See hieß früher nach dem Berechtigten „Dijkman’s Plasje“. Das Ausheben konnte auf recht willkürliche Weise erfolgen, wie es vor allem beim großen See der Fall war, aber man konnte es auch systematischer angehen. Ein wunderschönes Beispiel für einen ordentlich ausgehobenen See findet sich auf der Heide nördlich von Westerbergen, und zwar direkt südlich des bereits erwähnten Gletscherbeckens. Der blaue Wanderweg verläuft zwischen dem Gletschermulde und dem Moor. Hier hat man ordentlich kleine Gräben gegraben und die nicht brauchbare Erde zu beiden Seiten davon aufgeschüttet, sodass eine ganze Reihe von kleinen Dämmen entstanden ist.
Um noch kurz auf die Moore einzugehen, sei erwähnt, dass dort mittlerweile nicht mehr ausgegraben wird und die Moore immer mehr zuwachsen. So war das Pingo-Moor bereits vollständig zugewachsen. Im Jahr 1968 wurde es ausgegraben und die gesamte Vegetation, das Moor und die Schwarzerde bis auf den Sand entfernt, sodass ein Planschbecken entstand. Leider ist die Sandschicht, die in der letzten Eiszeit über den darunter liegenden, in der vorletzten Eiszeit angeschwemmten Lehm geweht wurde, nicht allzu dick, sodass sich der graue Lehm hier und da mit dem Wasser vermischt. Das Tempo, mit dem ein Moor zuwächst, kann sich durch Veränderungen des Wasserstands recht schnell ändern. In der Nachkriegszeit haben die Wasserverbände viel unternommen, um eine bessere Wasserableitung zu erreichen. Felder, die früher im Winter unter Wasser standen, bleiben nun trocken. Durch all dies ist der Grundwasserspiegel gesunken, und damit auch in den Mooren. Die Folge davon ist im großen Moor sehr deutlich sichtbar geworden. Vor etwa zehn Jahren, im Jahr 1962, konnte man noch überall über das Moor hinwegsehen. Nur an wenigen Stellen war eine kleine Birke gewachsen. Nun vertragen Birken zwar relativ viel Wasser, aber wenn es zu nass ist, geht es doch nicht. Dank der Senkung des Wasserstandes haben sich die Wachstumsbedingungen für die Birken deutlich verbessert. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Situation grundlegend verändert, sodass man heute vor allem im Sommer den See kaum noch sehen kann und eher den Eindruck gewinnt, vor einer Fortsetzung des Waldes zu stehen.
Nachdem wir die Entstehung der Moore beschrieben haben, haben wir diese bis zum heutigen Tag verfolgt, doch ist es nun notwendig, wieder in die Zeit unmittelbar nach der letzten Eiszeit zurückzukehren, also unsere Gedanken auf die Zeit vor etwa 10.000 Jahren zu richten. Es wurde bereits erwähnt, dass sich recht bald eine ausgedehnte Vegetation und vor allem Wald bildete. Man kann davon ausgehen, dass die trockeneren Gebiete von Drenthe einen großen Urwald bildeten. Mit der Vegetation kehrten auch die Tiere zurück und darüber hinaus die Menschen. Von diesen ersten Gruppen, Stämmen oder wie man sie auch nennen mag, ist bekannt, dass sie hauptsächlich von der Jagd lebten. Metalle wie Bronze und Eisen waren noch nicht bekannt, und die Werkzeuge wurden, genau wie bei den bereits erwähnten Bewohnern, aus Feuerstein gefertigt. Von dieser Art von Stein lassen sich relativ leicht Splitter abschlagen, sodass scharfe Kanten entstehen, wodurch der Stein als Axt, Messer oder anderes Gebrauchswerkzeug dienen konnte. Bei der Herstellung dieser Gegenstände wurden die abgeschlagenen Feuersteinsplitter als wertloses Material zurückgelassen. Eine Reihe solcher Feuersteinsplitter kam 1962 bei der Anlage des Campingplatzes von Westerbergen zum Vorschein, was ein Beweis dafür ist, dass sich Menschen in der Zeit kurz nach der letzten Eiszeit auf Westerbergen aufgehalten haben.
Die betreffenden Feuersteinsplitter befinden sich derzeit in der Vitrine, die im Hauptgebäude zwischen der Eingangshalle und der Kantine aufgestellt ist.

Aus etwa derselben Zeit, vielleicht mit „nur“ ein paar tausend Jahren Unterschied, stammt das Boot von Pesse. An diesem Ort, der etwa 7 km von Westerbergen entfernt liegt, wurde ein ausgehöhlter Baumstamm in Form eines Bootes gefunden. Das Boot, dessen Alter auf 6500 Jahre geschätzt wird, ist das älteste, das jemals in Europa gefunden wurde. Es ist im Provinzmuseum in Assen zu besichtigen.
In keiner anderen Provinz sind so viele archäologische Funde zutage getreten wie in Drenthe. Eine Vielzahl unterschiedlicher Völker, jedes mit einem eigenen Kulturmuster, hat im Laufe von Jahrtausenden in Drenthe gelebt. Es macht im Rahmen dieser Abhandlung keinen Sinn, eine Aufzählung vorzunehmen. Es genügt, nur dann etwas zu erwähnen, wenn es Hinweise darauf gibt, dass bestimmte Gruppen sich auf den Westerbergen aufgehalten haben. Eine Ausnahme wird jedoch für die Hünengrabbauer gemacht, von denen nicht bekannt ist, ob sie auf den Westerbergen waren. Aus zwei Gründen ist die Erwähnung dieser Gruppe wünschenswert: zum einen, weil sie gerade aufgrund der Hünengräber die bekannteste Bevölkerungsgruppe der prähistorischen Zeit war, und zum anderen, weil auf der Wiese vor dem Hauptgebäude zu dekorativen Zwecken und zur Veranschaulichung ein Hünengrab errichtet wurde.
Von den Dolmenbauern ist bekannt, dass sie hauptsächlich von der Landwirtschaft lebten. Sie waren also viel stärker an einen bestimmten Wohnort gebunden als die zuvor in Drenthe lebenden Stämme, die von der Jagd lebten. Da sie an einem bestimmten Ort ansässig waren, liegt es nahe, dass sie bereit und in der Lage waren, mehr für ihre Toten zu tun als wandernde Jäger. Sie hatten offenbar großen Respekt vor ihren Toten. Für sie wurden die Dolmen als eine Art Grabkammer errichtet. Das Prinzip besteht stets aus zwei Reihen von Steinen, über denen Decksteine liegen. Außerdem steht an beiden kurzen Enden ein Stein, und meist ist in der Mitte eine Art Eingangsbereich angelegt. Das Ganze war mit Erde bedeckt, die jedoch im Laufe der Zeit weggespült und verweht wurde. Die Erbederbauer lebten etwa 2000 Jahre vor Christus. Man muss großen Respekt vor diesen Menschen haben, die in der Lage waren, mit sehr primitiven Hilfsmitteln die schweren Steine (es gibt Steine, die 20.000 kg wiegen) zu bewegen und zu Hünengräbern aufzuschichten.
In Westerbergen und Umgebung gibt es keine Hünengräber. Man findet sie im westlichen Drenthe in der Hügellandschaft von Havelte, Diever und vor allem im östlichen Drenthe auf dem Hondsrug. So befindet sich eines nur wenige Minuten vom Ferienort Hunzebergen in Exloo entfernt. Die Möglichkeit, Dolmen auf Westerbergen und Umgebung zu errichten, war durchaus gegeben, da die großen Steine, die, wie bereits erwähnt, in der vorletzten Eiszeit nach Drenthe gelangten, auch hier vorkommen. Zur Verschönerung der Rasenfläche vor dem Hauptgebäude wurde aus einigen Steinen, die in der Umgebung von Westerbergen gefunden wurden, zunächst ein kleines Hünengrab errichtet. Dies war einfacher, als es die Hünengrabbauer getan hätten. Mit Hilfe eines kleinen Kranwagens wurden die Steine nämlich an ihren Platz gebracht. Beim Ausheben des Pingo-Moores zu einem Planschbecken kamen noch einige große Steine zum Vorschein. Damit wuchs das kleine Hünengrab damals zu einem echten Hünengrab heran.
Nach diesem Abstecher zu den Hünengräbern kommt nun ein weiterer Fund an die Reihe, der beim Anlegen des Campingplatzes zutage getreten ist. Dieser Fund besteht aus einer großen Menge an Urnenscherben. Diese Urnen scheinen von der Bevölkerung verwendet worden zu sein, die etwa 500 Jahre vor Christus lebte. Die Urnen dienten zur Aufbewahrung der verbrannten Überreste der Verstorbenen und wurden anschließend im Boden vergraben. Auch diese Scherben werden in der bereits erwähnten Vitrine aufbewahrt.
Eine ganz andere Bevölkerungsgruppe, die etwa von 100 v. Chr. bis 100 n. Chr. lebte, verbrannte ihre Toten und errichtete anschließend einen kleinen Hügel, einen Grabhügel, über den Überresten. Davon sind drei im nördlichen Teil von Westerbergen zu finden. Man erreicht sie, indem man dem gelben oder roten Wanderweg folgt. Auf der angrenzenden Heide liegen etwa zwanzig dieser Grabhügel. Grabhügel wurden zu verschiedenen Zeiten von verschiedenen Völkern aufgeschüttet. Manchmal wurde der Verstorbene mit oder ohne Grabbeigaben im Hügel beigesetzt, doch in anderen Fällen, wie beispielsweise in Westerbergen, wurden keine Grabbeigaben mitgegeben und der Hügel wurde, wie bereits erwähnt, über den verbrannten Überresten aufgeschüttet.

Die Archäologen haben daher keinen Grund, diese Hügel freizulegen, da man weiß, dass man darin ohnehin nichts finden wird, außer vielleicht einigen Überresten verkohlter Knochen. Wenn man die Hügelchen sieht, wirken sie wie gewöhnliche Sandhügel, wie man sie überall auf unbewirtschafteten Flächen findet. Da stellt sich sofort die Frage, woher man nun weiß, dass es sich um Grabhügel handelt. Der Beweis ist einfach zu erbringen. Der Boden auf Westerbergen besteht nämlich fast überall aus Sand, aber die obersten 10 bis 20 cm sind schwarze Erde, die durch jahrhundertelanges Pflanzenwachstum entstanden ist. Beginnt man nun oben in einem Grabhügel zu graben, kommt zuerst die schwarze Erde zum Vorschein und darunter der Sand. Gräbt man nun weiter, sieht man Sand und noch mehr Sand, bis man auf die horizontale Ebene gelangt, also auf die Höhe des umgebenden Geländes. Dann erscheint wieder eine Schicht schwarzer Erde und darunter erneut Sand. Diese zweite Schicht schwarzer Erde ist der Beweis dafür, dass der Hügel von Menschenhand aufgeschüttet wurde. Wäre der Hügel auf natürliche Weise entstanden, würde diese zweite Schicht fehlen.
Westerbergen
verdankt seinen Namen den Grabhügeln. Bis etwa zum Jahr 1936 war das Gelände eine Heidefläche, aus der nur die Grabhügel herausragten. Von Echten aus gesehen waren es kleine Hügel westlich von Echten, weshalb die Region bereits in ferner Vergangenheit von der Bevölkerung von Echten als Westerbergen bezeichnet wurde.
Es erscheint unwahrscheinlich, dass das Gelände schon immer eine Heidefläche war. Wie bereits erwähnt, breitete sich schon bald nach der letzten Eiszeit überall Wald aus. Als sich in ferner Vergangenheit eine Bevölkerung niederließ, die von der Landwirtschaft lebte, bestand eine einfache Möglichkeit, Ackerland zu gewinnen, darin, ein Stück Wald abzubrennen. Das offene Gelände konnte für einige Zeit landwirtschaftlich genutzt werden. Es wurde mit Tierdung gedüngt, doch die Möglichkeiten waren begrenzt. Vor allem, weil es noch keinen Kunstdünger gab und der Boden ausgelaugt wurde. Man nahm sich dann ein anderes Waldstück vor und überließ das ursprüngliche Gelände seinem Schicksal. Es entstand dann Heide. Die Heidepflanze braucht viel Sonne, sodass unter Bäumen keine Heide wächst. Tat man nun nichts weiter, tauchten mit der Zeit in dieser Heide wieder Bäume auf und der Kreislauf konnte von Neuem beginnen. Die Heide wurde jedoch auch zum Weiden von Schafen genutzt. Sobald Schafe auf die Heide kommen, kann kein Wald entstehen. Sobald wieder etwas Baumbewuchs auftaucht, wird dieser von den Schafen abgefressen. Daraus folgt, dass die Heide, die meist als natürliche Vegetation von Drenthe angesehen wird, dies in Wirklichkeit nicht ist. Die natürliche Vegetation ist Wald, und die Heide ist eigentlich ein Kulturprodukt. Die Schafzucht war in Echten bis vor etwa fünfzig Jahren immer eine wichtige Lebensgrundlage. In Echten stehen noch verschiedene schöne alte Schafställe, die jedoch nicht mehr als solche genutzt werden. Die Schafzucht ist vorbei. Damit lässt sich kein rentabler Lebensunterhalt mehr bestreiten, und außerdem ist der größte Teil der Heide durch die Umwandlung in Ackerland verschwunden. Da nun keine Schafe mehr gehalten werden, bedeutet dies, dass die Heide allmählich zuwächst.
Ganz deutlich ist dies an der Heidefläche zu sehen, die an der Nordseite an Westerbergen grenzt. Ein Vorteil der Schafhaltung auf der Heide besteht noch darin, dass diese dadurch kurz gehalten wird und wunderschön aussieht, vor allem wenn die Heide blüht.
Seit Menschengedenken war Westerbergen also eine Heidefläche. Auch die Karte aus dem Gemeenteatlas der Niederlande aus dem Jahr 1867 vermittelt den Eindruck, dass das gesamte Gebiet damals ein einziges großes Heidefeld war; dennoch gibt es Hinweise darauf, dass zumindest der heutige Campingplatz, also der Teil, der an der Südseite der öffentlichen Straße liegt, in längst vergangenen Zeiten landwirtschaftlich genutzt wurde. Diese Straße trägt den Namen Oshaarseweg, benannt nach dem etwas weiter westlich gelegenen Weiler Oshaar. Diese Hinweise sind die Hecken: kleine, mit Bäumen und Sträuchern bewachsene Hecken. Wenn nämlich in früheren Zeiten ein Stück Land urbar gemacht wurde, errichtete man einen solchen Wall um das Gelände herum. Der Wall sollte verhindern, dass bei starkem Wind aufgewirbelter Flugsand auf den urbar gemachten Teil gelangte. Eine weitere Funktion bestand einfach darin, die Abgrenzung des Geländes zu kennzeichnen und, wenn das Gelände als Weide genutzt wurde, zu verhindern, dass das Vieh von der Weide abwandert. Historiker sind der Ansicht, dass die Hecken manchmal noch andere Funktionen hatten, beispielsweise wenn sie zu beiden Seiten einer Straße angelegt wurden, und dass sie unter bestimmten Umständen bei bestimmten heidnischen religiösen Bräuchen eine Rolle spielten.
Wie alt die Heckenwälle sind, lässt sich allgemein nicht sagen. Einige stammen aus historischen Zeiten, doch auch in der jüngeren Vergangenheit wurden noch kleine Heckenwälle angelegt. Vor allem wenn neben dem Wall ein Graben liegt, ist der Wall meist noch nicht allzu lange her entstanden, und zwar dadurch, dass man die ausgehobene Erde auf einer Seite des Grabens abgelagert hat. Viele Angaben über die Entstehung der Heckenwälle auf Westerbergen liegen nicht vor. Auch die bekannte Landkarte aus dem Jahr 1635, angefertigt von Pijnacker, gibt keine eindeutige Antwort. Eine Kopie dieser Karte hängt in der Kantine. Aus dieser Karte geht jedoch hervor, dass der Oshaarseweg damals bereits existierte. Im Übrigen sollte man sich von den Straßen jener Zeit nicht allzu viel vorstellen. Es handelte sich kaum um mehr als Karrenwege durch die Heide. Wurde ein bestimmter Abschnitt zu stark ausgefahren, ging man ein paar Meter nach links oder rechts, sodass der Weg immer wieder verlegt wurde. Erst im Jahr 1922 wurde der Oshaarseweg befestigt und 1966 asphaltiert. Zwischen dem Oshaarseweg und dem Campingplatz, und zwar entlang des östlichsten Abschnitts, befindet sich noch ein sehr deutlicher Heckenwall. Dieser ist wahrscheinlich sehr alt. Seit Menschengedenken war das dahinter liegende Gebiet immer Heide. Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass dieser Abschnitt einst Ackerland war. Dafür gibt es nämlich noch einen Hinweis. Die Urnenscherben, über die oben bereits einiges erwähnt wurde, wurden ziemlich dicht hinter diesem Heckenwall gefunden. Es handelte sich ausschließlich um kleine Scherben; nirgendwo wurde ein größeres Stück oder eine vollständige Urne gefunden. Dies deutet darauf hin, dass der Boden, in dem diese Urnen vergraben waren, einst aufgewühlt wurde, und am wahrscheinlichsten ist, dass er mit einem Pflug durchpflügt wurde.
Anders sieht die Situation im hinteren Teil des Campingplatzes aus, nämlich in dem Bereich, in dem sich das Gelände für die Saisoncaraavans befindet, sowie im Bereich hinter dem Angelteich und dem Clubhaus. Dieser Teil wurde erst im Jahr 1966 von Westerbergen zur Vergrößerung des Campingplatzes erworben und wurde damals vollständig als Ackerland genutzt. Angeblich war der mittlere Teil davon bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg noch Heide und wurde erst damals urbar gemacht. Der Bereich für die Saison-Wohnwagen und der östlichste Teil waren bereits vor längerer Zeit urbar gemacht worden. Es scheint plausibel, dass die Urbarmachung des Saisonbereichs schon vor sehr langer Zeit erfolgte. Um diesen Teil herum verläuft ein Heckenwall, während direkt dahinter, auf einem Gelände, das nicht mehr zu Westerbergen gehört, noch viele Heckenwälle liegen, die auf merkwürdige Weise kleine, unregelmäßig geformte Geländestücke ganz oder teilweise abgrenzen. Die Bedeutung dieser Hecken dort ist nicht klar, obwohl es hierzu Vermutungen gibt, aber aus dieser Unregelmäßigkeit lässt sich jedenfalls schließen, dass hier in ferner Vergangenheit einiges vor sich gegangen sein muss.
Im Zusammenhang mit den Hecken ist noch zu erwähnen, dass entlang der südwestlichen Grenze des Campingplatzes ein sogenannter Markeweg verläuft, der auf beiden Seiten von Hecken gesäumt ist. Der erste Abschnitt der Straße, der am Oshaarseweg beginnt, wird nicht mehr genutzt und ist fast zugewachsen. Der zweite Abschnitt verläuft entlang des Saisonplatzes und wird noch als Wanderweg genutzt. Dieser Abschnitt ist Teil der gelben Wanderroute. Im Zusammenhang mit diesem Weg ist anzumerken, dass früher fast überall in Drenthe die Grundstücke in einiger Entfernung von den Dörfern gemeinschaftliches Eigentum der Bauern, der sogenannten Markgenossen, waren. So war es auch in Echten. Im Jahr 1879 ging man zur Aufteilung der Grundstücke über, doch die Wege blieben gemeinschaftliches Eigentum. Sie blieben Eigentum der Mark und heißen noch heute Markwege. Diese Aufteilung der Grundstücke hatte eine eigentümliche Konsequenz. So konnte der Besitzer eines Bauernhofs, der etwas westlich von Westerbergen lag, nicht mehr über die gemeinsamen Markgrundstücke von Echten aus zu seinem Hof gelangen. Dies war natürlich über den Oshaarseweg möglich, der Eigentum der Gemeinde war. Der Betroffene wollte nicht von der Gemeinde abhängig sein und legte 1880 einen eigenen Weg über sein eigenes Land von Echten zu dem betreffenden Bauernhof an. Dieser Weg verlief entlang der Nordgrenze von Westerbergen. Der Abschnitt der roten und gelben Wanderroute vom dritten Grabhügel bis zum Picknickplatz am nördlichsten Punkt von Westerbergen ist also noch immer dieser alte Weg, ebenso wie der Weg, der vom Bungalow 105 zum dritten Grabhügel führt, wo noch Spuren zu finden sind. Auf diesem Weg soll sich einst etwas zwischen dem Postboten und einigen hübschen jungen Mädchen aus Echten zugetragen haben. Seitdem heißt der Weg „Juffertjespad“.
Dieser Text gehört zu dem Büchlein „Het ontstaan der Westerbergen“, verfasst von Dr. E.J. Offerhaus